Fischzellkulturen helfen bei der Bekämpfung von viralen Fischkrankheiten

Viren verbreiten sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern treten auch im Tierreich auf. In Aquakulturen, wo viele Fische gemeinsam gehalten werden, kann ein Virusausbruch zu Verlusten einzelner Fische bis zum Verlust der ganzen Population führen. Deshalb ist auch hier die Entwicklung von Impfstoffen ein wirtschaftlich relevantes Forschungsfeld. Voraussetzung für die Untersuchung der Fischviren und für die Entwicklung eines Impfstoffs sind Zellkulturen der entsprechenden Fischart, die man in vitro untersuchen und in denen sich das Virus vermehren kann.

In verschiedenen Projekten konnten die Zellkulturexperten der Fraunhofer EMB bereits Fischzellen in der In-Vitro-Kultur vermehren, die anschließend für die Virologen als Tool für die Impfstoffentwicklung zur Verfügung standen. So konnten zum Beispiel im Kampf gegen das Koi-Herpes-Virus, welches auch die Karpfen in den Teichwirtschaften befällt, in einem vom Bund geförderten Projekt verschiedene Karpfenzellkulturen etabliert werden, in denen sich das Virus vermehrt (Siehe LINK).

In einem neuen Projekt, welches vom BMBF mit einer Summe von 900.000 € gefördert wird, stehen nun Orthoreoviren im Fokus, die Aquakulturfische, wie Lachs und Forellen befallen. Gemeinsam mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover werden im Projekt „Salheartcell“ neue Salmoniden-Herz-Primärkulturen und neue Dauerzellkulturen aus Herzgewebe von Atlantischem Lachs, Regenbogenforelle und Bachforelle etabliert und weiterentwickelt. Die Kulturen und Zelllinien werden anschließend in Replikationsversuchen für den Nachweis der piscinen Orthoreoviren 1 und 3 verwendet. Diese sind neu auftretende Krankheitserreger, die Herz- und Kreislaufstörungen bei Salmoniden verursachen und dadurch die nachhaltige Entwicklung der Salmoniden-Aquakultur bedrohen, darunter die Atlantischen Lachse und Regenbogenforellen. Sollten die Versuche erfolgreich verlaufen, ist hierdurch ein erster Schritt geschafft, um mittels der Zellkulturen das Virus besser untersuchen und verstehen zu können und entsprechende Impfstoffentwicklungen voranzutreiben. 

 

VIDEOsequenz einer primären Herzzellkultur zum Download