„ICH LIEBE FISCH - IMPROVING COMMUNITY HEALTH-NUTRITION LINKAGES THROUGH SOLAR ENERGY BASED FISH AND CROP INTEGRATED VALUE CHAINS"

Gespräche mit beteiligten Farmern

Besuch der Gemeinde in Nkhotakota, Besichtigung der Fischteiche

Erfolgreiche Kultivierung

Erfolgreiche Kultivierung

Seit März 2016 bearbeitet die Arbeitsgruppe Aquatische Zelltechnologie & Aquakultur zusammen mit der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA), dem Aquaculture and Fisheries Science Department, dem Department of Human Nutrition and Health sowie dem Department of Food Science and Technology der Lilongwe University of Agriculture & Natural Resources (LUANAR) und der NGO QUALIVES sowie dem Innovative Fish Farmers Network Trust (IFFNT) das Projekt “Ich liebe Fisch” in Deutschland und Malawi.

Das Projekt hat zum Ziel, durch die Verbesserung wichtiger Parameter bei der Produktion einer sehr hochwertigen und beliebten endemischen Nutzfischart in Malawi, dem „Chambo“ (Oreochromis karongae), die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Aufzucht und Produktion zu fördern. In Verbindung mit diesen Maßnahmen soll durch die innovative Verknüpfung von Fisch- und Gemüseerzeugung in integrierten aquatischen Systemen (klassische integrierte Agrikultur-Aquakultur-Systeme (IAA) und Aquaponics) die Effizienz der Produktion von Fisch und Gemüse optimiert und damit die Ernährungslage und die Wertschöpfung der Landbevölkerung in Malawi mit Hilfe dieser Produktionsform verbessert werden.

In Deutschland sollen nach dem Import von 200 Brutfischen (unter Einhaltung des „Nagoya Protocol on Access to Genetic Resources and the Fair and Equitable Sharing of Benefits Arising from Their Utilization“) Arbeiten zur Optimierung der Reproduktionsleistung und Larvenaufzucht begonnen werden. Zur Optimierung der Reproduktionsleistung werden zunächst Tiere aus unterschiedlichen Regionen Malawis genetisch charakterisiert um eventuell einzelne Populationen mit unterschiedlicher Reproduktionsleistung identifizieren zu können, die für eine spätere Zucht eingesetzt werden sollen. Weiterhin soll ein Kryokonservierungsprotokoll für die männlichen Gameten etabliert und Proben der jeweiligen Männchen aus den unterschiedlichen Populationen für die Zucht in einer Kryobank in Malawigelagert werden. Im Rahmen einer Masterarbeit, die von einem Austauschstudenten aus Malawi in Deutschland durchgeführt wird, werden abiotische Parameter variiert, um die optimalen Brutbedingungen für die Fische herauszuarbeiten.

An der GMA wird ein weiterer Austauschstudent ebenfalls seine Masterarbeit durchführen. Unter der Leitung von Dr. Bernd Ueberschär wird die Larvenaufzucht optimiert, hauptsächlich durch den Einsatz von spezialisierten Larven-Futtermitteln. Die identifizierten optimalen Rezepturen sollen in einem zweiten Schritt mit in Malawi lokal erhältlichen Rohstoffen formuliert werden, um den Züchtern vor Ort eine ökonomische Aufzucht zu ermöglichen. Die hohen Futtermittelkosten für spezialisiertes Fischfutter konnten im Rahmen des Projektes bereits als einer der maßgeblichen Flaschenhälse für eine erfolgreiche Ausweitung der Aquakulturproduktion in Malawi identifiziert werden.

Weiterhin wurde von Dr. Bernd Ueberschär (GMA) eine Projektressource im Internet etabliert, um allen beteiligten Partnern den Zugang zu aktuellen Infos und Fortschritten der Initiative zu erleichtern (www.fish-for-life.org). Für die Intensivierung der Setzlingsproduktion und -aufzucht der genannten Fischart wurde zudem eine solarbetriebene Larvenaufzuchtanlage für den Einsatz beim Projektpartner in Malawi konzipiert.

In Malawi wurden zunächst zwei Gemeinden in geographisch und ökologisch unterschiedlichen Regionen (Mchinji und Nkhotakota) ausgewählt, welche nun in die Projektaktivitäten involviert sind. In diesen Gemeinden sowie in zwei Kontrollgemeinden aus den gleichen Distrikten wurden zunächst Daten zu projektrelevanten Themenbereichen erhoben (Gesundheit, Ernährung, etc.). Im Rahmen dieser Datenerhebung wurden in der Interventionsgruppe 98 Haushalte in Mchinji und 88 Haushalte in Nkhotakota untersucht sowie 101 Haushalte in Mchinji und 99 Haushalte in Nkhotakota als Kontrollgruppe befragt. Die meisten Befragten waren weiblich (69%), wobei die Haushalte vorwiegend von Männern geführt werden. Das Durchschnittsalter betrug 19 Jahre. Die Fischproduktion in beiden Distrikten erfolgt zu weniger als 3% in privaten Teichen. Mehrheitlich fi ndet die Bewirtschaftung von Teichen und Feldern in sogenannten “Clubs” statt, gemeinsam geführtem Landbesitz. In Mchinji wurden 8 Clubs in die Befragung einbezogen, in Nkhotakota waren es 16 Clubs.

Die am häufigsten gezüchteten Arten in diesen Clubs waren:
• Mchinji: T. rendalli (Chilunguni) (57.1%), O. karongae
(Chambo) (42.9%) und O. shiranus (Makumba) (34.7%)
• Nkhotakota: O. shiranus (Makumba) (44.3%) und
O. karongae (25%)

Die momentane Fischproduktion in beiden Distrikten ist jedoch gering und wird kaum mit anderen Produktionsformen (z.B. Gemüseerzeugung) kombiniert. Die weitere Befragung befasste sich mit der Ernährungssituation der Familien, mit einem besonderen Fokus auf Kleinkinder unter 5 Jahren. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Versorgungsunsicherheit in beiden Distrikten sehr hoch ist. Dementsprechend waren zwischen 30,3% (Nkhotakota) und 34,1% (Mchinji) der Kinder unterentwickelt. In Nkhotakota konnte weiterhin eine erhöhte Krankheitsrate und geringe Lebensmittel-Diversifizierung festgestellt werden.

Im Frühjahr 2017 wurden die ersten Schulungen in beiden Distrikten durchgeführt, in denen die Farmer Informationen zur IAA und zur optimierten Teichnutzung erhielten. Außerdem wurden traditionelle Werkzeuge verteilt, mit denen die Farmer ihre Teiche für den Besatz vorbereiten konnten. Insgesamt nahmen in Nkhotakota 145 Fischfarmer aus 11 Fischclubs und in Mchinji 140 Fischfarmer aus 4 Clubs teil. Kurz nachdem diese Schulungen durchgeführt worden waren, wurden im Rahmen der ersten Pilotstudie einige Teiche mit jungen Fischen besetzt („Fingerlinge“, Durchschnittsgewicht 10 g) und qualitativ höherwertiges Fischfutter zur Verfügung gestellt (im Vergleich zu traditionellem Fischfutter, dass zum großen Teil nur aus Maisabfällen besteht und als minderwertig eingestuft werden kann). Die Fingerlinge sollten über einen Zeitraum von 6 Monaten abwachsen. Jeden Monat wurden vom malawischen Team Proben genommen, um den Zuwachs der Fische zu dokumentieren. Gleichzeitig wurden Samen für Kürbis, Raps, Chinakohl und Amarant verteilt, die auf den Deichen oder in der Nähe der Teiche gepfl anzt werden sollten und mit Teichwasser gegossen wurden. Da das Teichwasser durch die Ausscheidungen der Fische mit Nitrat, einem wichtigen Nährstoff für Pflanzen, angereichert wird, sollte ein verbessertes Wachstum der Pflanzen erreicht werden.

In den folgenden Diagrammen ist der Zuwachs der Fische über die ersten drei Monate dargestellt. In Nkhotakota wurden insgesamt 8 Teiche mit Fischen bestückt. Der durchschnittliche Zuwachs der Fische in diesen Teichen lag zwischen 25 g und 85 g.In Mchinji wurden 6 Teiche von 3 Clubs und zusätzlich je ein Teich von individuellen Farmern mit Fischen bestückt. Die Zuwachsraten in 3 Monaten betrugen zwischen 25 g und 50 g. Der in vielen anderen Ländern weit verbreitete Nil-Tilapia (Oreochromis niloticus) erreicht unter optimalen Bedingungen und mit Hochleistungsfutter Zuwachsraten von 50 g innerhalb von 80 Tagen (All-Male Populationen). Die geringeren Zuwachsraten des „Chambo“ können vor allem auf das Fehlen von Zuchtprogrammen (Mixed populations), Managementfehler und vor allem eine unzureichende Futterqualität zurückgeführt werden.

 

   

Die Integration von Fisch-und Gemüseproduktion war vor allem in den Gebieten erfolgreich, in denen bereits zuvor Gemüse angepflanzt worden war, da diese Gemeinden geeignete Felder zur Verfügung hatten und über mehr Erfahrung in der Anzucht verfügten. Es wurde daher beschlossen, in den nächsten Schulungen einen Spezialisten für Pflanzenzucht einzubeziehen. Einige Gemeinden, auch die erfahreneren, hatten Probleme mit Schädlingen, wobei nur einige Gemeinden in der Lage waren, dieses Problem selbstständig durch Anwendung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln zu lösen.

Die Teiche wurden im Oktober oder November abgefischt und eine weitere Schulung zur Herstellung verschiedener Fischprodukte angeschlossen. Die Teilnehmer lernten unter anderem Fischwürstchen, Fischfrikadellen oder Teigtaschen herzustellen. In dieser Schulung wurden die entwickelten Produkte selbst verkostet und fanden großen Anklang (vor allem bei den Kindern). Zukünftig können solche Produkte gewinnbringend auf dem Markt verkauft werden, um eine höhere Wertschöpfung zu erreichen. Sie soll es den Farmern erleichtern, die Beschaffung von Fischbesatz und Pflanzensamen besser planen zu können.

Währenddessen bereiteten die deutschen Partner die Beschaffung und Verschiffung der solarbetriebenen Fischlarvenaufzuchtanlage und weiterer wichtiger Gerätschaften (für molekularbiologische Analysen, Kryokonservierung von Fischspermien und die Verarbeitung von Fischprodukten) vor. Nachdem diese in einem 40-Fuß Container verstaut und per Schiff auf die lange Reise nach Malawi geschickt worden waren, flogen die beiden deutschen Partner im Projekt am 28.11.2017 nach Lilongwe, um mit den Projektpartnern vor Ort die Ankunft des Containers vorzubereiten, die eingebundenen Gemeinden in Mchinji und Nkhotakota zu besuchen und den Aufenthalt der beiden Masterstudenten und eines Technikers in Deutschland Anfang nächsten Jahres vorzubereiten.Zusätzlich wurde die Reise bereits genutzt, um eine weitere Gemeinde am Malawi-See zu besuchen und zu evaluieren, inwieweit diese Gemeinde ebenfalls in das Projekt eingebunden werden kann. Es stellte sich heraus, dass in dieser Gemeinde bereits ein Farmer tätig ist, der IAA betreibt und neben 3 großen Fischteichen mehrere Felder mit Zuckerrohr, Mais, Bananenstauden und Gemüse besitzt. Nachdem seine Farm vor einigen Jahren durch einen Buschbrand zerstört wurde, war er selbstständig nicht mehr in der Lage, seine Aquakultur-Teiche mit Fischen zu bestücken. Die Projektpartner beschlossen, diesen Farmer in das Projekt zu involvieren und ihm im Januar Fische für seine Teiche zur Verfügung zu stellen, da er extensives Wissen zur IAA hat und als Vorbild für die anderen Farmer in der Region dienen kann.