Biobanken / Zellbank für Wildtiere

Kernkompetenzen

  • Herstellung von Zellkulturen 
  • Langfristige Lagerung durch Kryokonservierung

Abbildung: Zellen der Weisskopfruderente, (Oxyura leucocephala) in der Zellkultur. Sie zählt zu den am stärksten bedrohten Entenarten weltweit. Ihre Erbinformation und ein vitaler zellulärer Metabolismus werden nun durch Zellkulturen langfristig bei Tiefsttemperaturen bewahrt und können für Forschungszwecke bereitgestellt werden.

Die Sammlung vitaler Stammzellkulturen von Wildtieren

Die Deutsche Zellbank für Wildtiere "Alfred Brehm“ - Cryo Brehm ist eine Biomaterialienbank, die auf die Sammlung und Kryokonservierung von vermehrungsfähigen Zellkulturen von Wildtieren spezialisiert ist. Die Initiative wurde von der Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB), dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT), dem Tierpark Hagenbeck in der Hansestadt Hamburg und dem Zoologischen Garten der Hansestadt Rostock ins Leben gerufen. In der Zwischenzeit haben sich dem Projekt weitere Zoos und Einrichtungen angeschlossen.

Gemeinsames Ziel aller beteiligten Partner ist die Konservierung der biologischen Information der Arten in Form von lebenden, vermehrungsfähigen Zellkulturen. So wird eine biologische Sammlung begonnen, die über Generationen bewahrt und weitergeführt werden soll. Die Zellbank stellt somit eine Fortsetzung klassischer naturkundlicher Sammlungen auf der Basis neuster zellbiologischer Erkenntnisse und technologischer Entwicklungen dar. Die Konservierung tiergenetischer Ressourcen stellt keinen Ersatz für den Artenschutz dar, erfüllt aber eine wesentliche Anforderung des Art. 9 des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Hier wird die Sammlung biologischer Materialien als eine Form des ex situ Erhalts der Arten gefordert.  

Die Zoos und Tierparks stellen die für die Herstellung von Zellkulturen benötigten Gewebeproben zur Verfügung. Zum Zweck der Gewebeentnahme muss kein Tier leiden oder getötet werden. Es werden ausschließlich Proben von Tieren verwendet, die auf natürlichem Weg gestorben sind oder krankheitsbedingt eingeschläfert werden mussten. Desweiteren können Plazentagewebe und Gewebe aus geplanten Eingriffen (z.B. Setzen einer Ohrmarke) Verwendung finden.

Grundlage für die Herstellung der Zellkulturen sind Verfahren für die Herstellung von adulten Stammzellkulturen, die von der Fraunhofer EMB entwickelt und patentiert wurden. Die technische Grundlage bildet das herausragende know-how und die weitreichenden Erfahrungen des Fraunhofer IBMT im Bereich des Kryobanking. Das Projekt wird gefördert durch die Possehl-Stiftung in Lübeck und das Land Schleswig-Holstein. Bei den Zellen handelt es sich um Stamm- bzw. Vorläuferzellen, die aus Geweben von erwachsenen Organismen isoliert werden.

Diese Stammzellen verfügen über zwei bemerkenswerte Eigenschaften:

  • Sie können über einen sehr langen Zeitraum in der Zellkultur vermehrt werden.
  • Sie können in viele verschiedene Zelltypen differenzieren.

Diese Eigenschaften eröffnen die Möglichkeit, eine vielseitige, langfristige und nachhaltig nutzbare biologische Sammlung anzulegen. Denn aufgrund der Vermehrungsfähigkeit der Zellen kann von jeder Probe eine nahezu unbegrenzte Anzahl an Kopien angefertigt werden. Daher kann die Sammlung schon heute für vielfältige wissenschaftliche Zwecke genutzt UND in vollem Umfang an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Das Archiv kann von Wissenschaftlern weltweit genutzt werden, um grundlegende oder angewandte wissenschaftliche Fragestellungen zu untersuchen. So kann das Zellarchiv einen Beitrag zum grundlegenden Verständnis der Spezies, dem Artenschutz, dem Umweltmonitoring und der medizinischen Forschung leisten.

 

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