Mobiles Zelltechniklabor

Das mobile Zelltechniklabor der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie besteht aus einem geländegängigen Allrad angetriebenen Truck und einem selbstabladenden Laborcontainer. Auf 14m² befindet sich ein komplett eingerichtetes Zellkulturlabor, das die Analyse und Konservierung von Probenmaterial direkt vor Ort erlaubt. Das Labor verfügt über eine eigenständige Energieversorgung mittels Solaranlage und Stromgenerator. Es ist für jeden Einsatz, auch in entlegenen Gegenden und auf unwegsamem Gelände, ausgelegt. Auf vier variabel ausfahrbaren Stützen kann der Laborcontainer unabhängig vom LKW in jedem Gelände abgesetzt werden. Durch eine Klimaanlage wird die Raumtemperatur bei der Probenbearbeitung konstant gehalten. Eine Satellitenantenne stellt eine weltweite Kommunikationsfähigkeit sicher und erlaubt die unmittelbare Bearbeitung und Versendung von Daten und Bildern. Die kompakte Ausstattung mit OP-Tisch, Sterilwerkbank, Zentrifuge, Autoklav, Brutschrank, Gefrierschrank und Stickstofftank ermöglicht den Forschern direkt vor Ort Proben zu analysieren und zu konservieren. Das mobile Labor verfügt außerdem über einen Anhänger, der Platz für ein 6m Schlauchboot mit Taucherausrüstung bietet, das für die Entnahme von Proben in der Ost- und Nordsee vorgesehen ist.

Virtueller Rundgang - Mobiles Zelltechniklabor

Laborcontainer

 

  • Heizung / Klimaanlage
  • Solarzellen / Stromgenerator
  • Internet / Telefon via Satellit / UMTS
  • Mikroskope mit PC und Flatscreen Verbindung
  • Clean-Bench
  • Stickstoffbehälter
  • Autoklav
  • Brutschrank
  • Kühlschrank
  • Zentrifuge
  • Schüttler
  • Wasserbad
  • Abwasserbehälter
  • Luftschleuse zum Vorraum

 

Truck

 

  • Allradantrieb
  • Seilwinde (vorne und hinten)
  • Wärmeschutzscheiben und Doppelverglasung
  • Standklima und -heizung
  • Navigationssystem Europa
  • Rückfahr- und Seitenspiegelkamera
  • Audio-Video-Paket
  • Freisprechanlage
  • Kühlschrank
  • 2 Komfortsitze
  • 2 Betten

 

Schlauchboot mit festem Rumpf

(RIB = Rigid Inflatable Boat)

 

  • Marine-Kartenplotter
  • Fish Finder (Echolot)
  • Funkgerät
  • 2 Sattelsitze
  • Geräteträger mit Arbeits- und Positionsbeleuchtung
  • Tauchleiter
  • Tauchflaschenhalter für 6 Tauchflaschen
  • 150 PS Außenbordmotor (15 PS Notaußenbordmotor)

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EINSATZ DES MOBILEN ZELLTECHNIKLABORS

Bundesweit einzige Gendatenbank - Sicherung von genetischen Informationen von überregional bekannten Karpfenstämmen

In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein kam der mobile Labor-LKW in einem von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geförderten Projekt zur Sicherung aquatischer genetischer Ressourcen zum Einsatz. In dem Modell- und Demonstrationsvorhaben geht es um den Schutz und die nachhaltige Nutzung genetischer Ressourcen des Karpfens (Cyprinus carpio). Weltweit zählt der Karpfen zu den wichtigsten Süßwasserfischarten. In Deutschland als wichtiger Speisefisch in vielen Kleinbetrieben gezüchtet, wird er jedoch zunehmend durch andere Fischarten auf den Speisekarten der Restaurants verdrängt. Dadurch ist auch die Karpfenzucht mit eigener Reproduktion in vielen Regionen Deutschlands stark zurückgegangen. Nur in den Hauptzentren der Karpfenteichwirtschaft, wie Bayern, Sachsen und Brandenburg, finden sich noch relativ viele Karpfenzuchtbetriebe. Einige der Betriebe wurden in den letzten Monaten besucht und Probenahmen vor Ort mit Hilfe des mobilen Zelltechnik-Labors durchgeführt. So konnten wertvolle genetische Informationen von überregional bekannten Karpfenstämmen wie Lausitzer Karpfen, Aischgründer oder Frankenkarpfen gesammelt und gesichert werden. Dazu wurden männliche Karpfengameten und Zellen befruchteter Eier eingefroren. Protokolle für das Einfrieren von Fischspermien gibt es bereits; sie wurden im Projekt getestet und angewendet. Häufig sind aber Anpassungen nötig, um die Proben bestmöglich zu behandeln. Das mobile Labor erlaubte den Forschern der Fraunhofer EMB eine hohe Flexibilität und garantierte gleichzeitig optimale und verlässliche Bedingungen für die Laborarbeiten an verschiedenen Orten.

Erster Auslandseinsatz an der norwegischen Küste

Im Dezember 2012 wurde das mobile Stammzelllabor zum ersten Mal für einen Auslandseinsatz vorbereitet. Vom 05.01.2013 bis 11.01.2013 war es dann soweit. Die Einsatztauglichkeit des Stammzell-LKWs wurde in Bergen (Norwegen) in Zusammenarbeit mit der Firma Eppendorf unter extremen Bedingungen getestet. Hierzu wurde der LKW über Land und per Fähre bis nach Bergen gefahren und dort, in einem kleinen Fischerdorf an der Küste, ein Kabeljau frisch vom Kutter übernommen. Aus diesem wurden verschiedene Organe entnommen und die Zellen daraus präpariert. Nach zwei Tagen vor Ort wurde die Rückfahrt angetreten. Ausgewählt wurde dieser exotische Standort unter anderem deswegen, weil zur gleichen Zeit ein Filmteam um den Polarforscher Arved Fuchs entlang der norwegischen Küste zu den Lofoten unterwegs war. Der Abenteurer dokumentierte die Spuren der historischen Lofotfischer bis hin zu den modernen Kabeljaufischern, die bis heute kurz nach Weihnachten aus dem ganzen Land in das Fanggebiet vor den nordnorwegischen Inseln aufbrechen. Arved Fuchs traf auf seinem Weg auf das Stammzelllabor der Fraunhofer EMB, um die Isolation von Kabeljau-Zellen als zukunftsweisende Technologie zu dokumentieren.

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